Inflation – Teil I
Ich glaube nur der Statistik, die ich selbst gefälscht habe – Winston Churchill
Wie die Inflation unser Leben beeinflusst
Dieser Tage hat Focus Money das Thema Inflation aufgegriffen. Wenn man den Kommentar dazu auf der Internetseite liest, entsteht der Eindruck, dass diese Thema letztlich nicht so besonders wichtig ist. Wörtlich kann man da nachlesen:
“Ein Blick auf die langfristige Preisentwicklung in Deutschland zeigt jedoch: Panikkäufe und Zukunftsangst sind unangebracht. Zwar verzeichnete das Statistische Bundesamt im September den höchsten Preisanstieg seit zwei Jahren (plus 2,4 Prozent zum Vorjahr). Tatsächlich aber ist die Teuerungsrate immer noch niedrig, da ein guter Teil davon auf staatliche Eingriffe wie die höhere Mehrwertsteuer und Studiengebühren zurückgeht, heißt es etwa bei den Analysten der Commerzbank.”
http://www.focus.de/finanzen/news/tid-7786/preisentwicklung_aid_136891.html
In diesem Kommentar stecken gleich zwei Behauptungen, deren Unwahrheit so gravierend heraussticht, dass es eigentlich für ein Magazin wie Focus erschreckend ist:
“Zukunftsangst sind unangebracht…” und “…Tatsächlich aber ist die Teuerungsrate immer noch niedrig, da ein guter Teil davon auf staatliche Eingriffe wie die höhere Mehrwertsteuer und Studiengebühren zurückgeht, heißt es etwa bei den Analysten der Commerzbank.”
Tatsächlich wird über die wesentlichen Preistreiber kein Wort verloren.
Einer Veröffentlichung des statistisches Bundesamtes in 2008 kann man entnehmen: “Die Preise für leichtes Heizöl stiegen im Jahresvergleich um 33,5 Prozent und die für Kraftstoffe um 13,1 Prozent (darunter Dieselkraftstoff plus 16,8 und Normalbenzin plus 13,3 Prozent). Auch Strom verteuerte sich gegenüber dem gleichen Januar 2007 überdurchschnittlich um 7,4 Prozent. Ohne Einrechnung der Energieprodukte hätte die Teuerungsrate den Angaben zufolge bei 2,2 Prozent gelegen. Die Preise für Nahrungsmittel stiegen um 7,7 Prozent”.
Quelle: Statistisches Bundesamt; Vergleich 2008 mit 2007
Dieser Trend hat sich fortgesetzt, denn dieses Jahr konnte man nachlesen:
“…. Preisanstieg ist vor allem auf die Teuerung der Kraftstoffe im Jahr 2010 zurückzuführen (+ 11,2%; darunter Dieselkraftstoff: +12,8%; Superbenzin: +10,6%). Der enorme Preisanstieg für leichtes Heizöl 2010 (+ 22,6% gegenüber 2009) …..”
Man muss sich schon fragen, warum Journalisten so wichtige Fakten einfach außer acht lassen und Aussagen von Bankern, welche ja ein Interesse daran haben, dass die Bürger keine Inflationsängste bekommen, da sie sonst ihre Geldwertangebote nicht mehr verkaufen können, so veröffentlichen? Hat die Lobby der Banken jetzt sogar schon das Magazin Focus erreicht?
Fakt ist, dass diese vorgenannten Zahlen auf eine Statistik zurückgreifen, die an sich schon sehr fragwürdig ist. Denn um den Inflationsindex niedrig zu halten, werden in den Warenkorb des statistischen Bundesamts Wiesbaden alle Güter gelegt. Das an sich ist schon eine krasse Verdummung der Bürger. Denn es macht doch einen Unterschied, ob ich etwas nur einmal oder zweimal in meinem Leben kaufe oder ob ich sie fast jeden Tag benötige und damit ständig davon betroffen bin. Um das einmal an dem Warenkorb aufzuzeigen: Es kann doch nicht der Preis von Möbeln, Elektrogeräten wie Fernseher, Computer und Handys oder gar Haushaltsgeräten – alles Dinge, die man in einem Jahrzehnt nur einmal oder zweimal kauft mit den Preisen der Güter, die man täglich benötigt, verglichen werden. Aber so ist es in Wirklichkeit: Alle Güter werden in einen Warenkorb gelegt. Dazu ein Beispiel, das wir fast täglich vor Augen haben:
Die Anschaffungskosten eines PKWs, die sich im Durchschnitt nur alle zwei Jahre erhöhen, wenn ein neues Modell auf den Markt kommt und sich – angesichts der Kirse – in manchen Fällen sogar reduziert haben, werden verglichen mit den Kosten des Benzins, dessen Preis sich in den letzten Monaten manchmal stündlich veränderte – und zwar fast immer nach oben!
Wir haben so berechnet, dass die Inflation für die Güter des täglichen Bedarfs, wozu auch die Miet- und Mietnebenkosten gehören, für sich genommen eine Inflationsrate von rund 8% ergeben.

Fragt man die Deutschen nach ihrem “Bauchgefühl”, so antworten 95 von 100: “Heute kostet alles soviel in Euro, wie es frühre in DM gekostet hat”. Wenn man die Preissteigerung einmal mit diesen “8 %” nur nach dem Zinseszins berechnet, so kommt man – 10 Jahre nach der Einführung – kummuliert auf exakt die 100 %, die eine Verdoppelung der Preise darstellen. Also ist dieses “Bauchgefühl” nicht von der Hand zu weisen.
Fragt man aber 100 Deutsche danach, wie hoch die Inflationsrate in Deutschland sei, so antworten ca. 95: “zwischen 1,5% und 3% pro Jahr”. Fragt man, woher sie diese Zahlen haben, antworten die Meisten: “aus den Fernsehnachrichten”. Dabei verwechseln sie, dass die Nachrichtensprecher, wenn sie die neuesten Zahlen verlesen, normalerweise nicht das Wort “Inflationsrate” benutzen, sondern vom “Verbraucherpreisindex” sprechen. Gemeint ist der Index, der vom statistischen Bundesamt monatlich veröffentlicht wird (Stichwort: Warenkorb). Der hat aber nichts mit einer echten Inflationsrate zu tun. Dennoch werden Inflationsrate und Verbraucherpreisindex oft verwechselt oder sogar als identisch betrachtet.
(An dieser Stelle möchte ich Sie wieder einmal darauf hinweisen, allen Nachrichten in den Medien kritisch gegenüber zu stehen und sie nicht einfach als wahr und richtig zu übernehmen, sondern zu hinterfragen)
Gehen wir also die Sache wissenschaftlich an und berechnen sie nach der Formel: Inflation = M3 minus BIP
Die Formel M3-BIP ist ein einfaches und für jeden verständliches Verfahren, sich diesem Wert anzunähern. Da die benötigten Zahlen im Internet parat stehen, kann zudem jeder selbst die Ergebnisse nachvollziehen.
In Lexika findet man unter dem Stichwort “Inflation” Definitionen wie z.B. “Anstieg der Geldmenge pro Bruttosozialprodukt-Einheit”.
Inflation hat also offenbar etwas mit der Geldmenge und dem Bruttosozialprodukt zu tun. Oder genauer – mit dem Bruttoinlandsprodukt (die Summe der – innerhalb eines Jahres – in einem Land hergestellten und verbrauchten Waren und Dienstleistungen).
Wenn man vom Wachstum der Geldmenge (M3) das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) abzieht, kommt man für Deutschland als Inflationsindex ebenfalls auf 8%(siehe Grafik).
Quelle: Deutsche Bundesbank
www.finanzfinder24.de
Aber selbst wenn Sie die Zahlen des statistischen Bundesamtes zugrunde legen, kommen Sie auf eine durchschnittliche Inflation von 3,07% in den letzten 40 Jahren, die Sie immer von der Rendite Ihrer Anage abziehen müssen.
Das wiederum bedeutet, dass jede Anlage, die für die Altersvorsorge gedacht ist, mindestens diesen Inflationsindex schlagen muss. Sehen Sie also einmal Ihre Verträge durch, sonst erleben Sie später ein “blaues Wunder”. Damit Sie sich einmal ein Bild machen können, was passiert, wenn die Rendite nicht höher als die Inflation ist, betrachten Sie das folgende Bild und machen Sie sich dazu Ihre Gedanken:
Das hessische Fernsehen hat kürzlich einen weiteren interessanten Ansatz zur Inflation veröffentlicht, der das Thema einmal von einer ganz anderen Seite beleuchtet hat:
Hier wurde ein Haushalt eines Singles mit dem Haushalt eines Rentnerehepaars und eine mehrköpfigen Familie verglichen. Das Ergebnis war – die Zahlen des statistischen Bundesamtes zugrunde gelegt – sehr interessant:
Ein Single hatte dabei die niedrigsten Kosten – 0,5 %* betrug der Index, der einen Single betraf. Das Rentnerehepaar hatte schon wesentlich höhere Kosten. Hier schlug der Inflationsindex mit 3,2 % * zu Buche. Aber – und das war das Erschreckende: Die Inflationsrate, von der die mehrköpfige Familie betroffen war, betrug 5,8 %*. Damit ist auch verständlich, warum es sich junge Menschen immer mehr überlegen, ob sie eine Familie mit Kindern gründen wollen.
* Immer entsprechend den Vorgaben des statistichen Bundesamtes .
Link zum Video des HR fernsehen: http://bit.ly/gv2dcn
Fazit:
Wir können Ihnen nur raten, machen Sie sich Notizen bei ihrem täglichen Einkauf, beim Tanken, bei ihrem Energieverbrauch, wie hoch die Preise sind und ob Sie hier etwas reduzieren können. Führen Sie – zumindert einen Monat lang – ein Haushaltsbuch, damit Sie nicht in die Schuldenfalle tappen. Und vergleichen Sie dann einemal selbst die von Ihnen notierten preise mit dem Inflationsindex des statistischen Bundesamtes in Wiesbaden. Ich bin mir sicher, dass Sie dann diesen Satz von Winston Churchill nachvollziehen können:
“Ich galube keiner Statistik, die ich nicht selbst erstellt habe.”
P.S.:
In den nächsten Tage informieren wie Sie über noch folgenschwerere Gefahren, die uns durch die Inflation drohen. Hier schon ein Ansatz: Machen Sie sich einmal Gedanken, warum keiner den Posten von Jean-Claude Trichet, Chef der EZB, haben will. Erst sagte Axel Weber, der Chef der Zentralbank ab, dann der frühere Finanzminister Peer Steinbrück – keiner will den Posten haben. Sollte das vielleicht an der Geldpolitik der EZB liegen, die den europäischen Union mit ungedeckten Euros überschwemmt hat?
Beachten Sie auch unsere allgemeinen Informationen auf www.bund-der-sparer.de , insbesondere die Informatinen unter “Infos von A-Z” und die Broschüre auf der Startseite “Die Folgen der Finanzkrise” mit dem Untertitel: “Wie Sie sich vor dem Zusammenbruch des Geldsystems schützen können”.
Haftungsausschluss
Die Publikation auf unserer Website www.bds-online.info beruhen auf von uns nicht immer bis ins letzte Details überprüfbaren, allgemein zugänglichen Quellen, die wir für zuverlässig halten, für deren Richtigkeit und Vollständigkeit wir jedoch keine Gewähr übernehmen können. Sie gibt unsere unverbindliche Auffassung über den Markt und die Produkte zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses wieder.
Wollen Sie garantiert keinen unserer Blog-Berichte verpassen? Dann abonnieren Sie kostenfrei den RSS-Feed zu unserem täglichen Blog. Sofort nach Freischaltung finden Sie den Bericht in Ihrem Email-Programm (z.B. MS-Outlook) unter RSS-Feeds. Zum kostenfreien Abo direkt auf das folgende RSS-Bild klicken:



